Ursula beschwichtigt mich, Lena hat damals viel mehr angestellt, erinnerst du dich nicht? Sie hat den Superlautsprecher von Dominik angefressen und die Torte, die Stühle, die Fußleisten und .... Warum ich das schreibe? Unser Schlafzimmer sah heute morgen aus, als hätte eine Bombe eingschlagen. Merlin hatte an seinem neuen großen Schlafbett den Reißverschluß gefunden und geöffnet.und nicht kaputt gemacht! Das große Inlett bestand aus kleinen Schaumstoffstückchen. Die lagen jetzt im Zimmer herum. Das Inlet hatte drei große Löcher. Leider haben wir ihn in seiner beglückenden Tätigkeit
nicht erwischt und konnten nicht mal mit ihm schimpfen. Wir werden zur Rettung beide Schlafbetten erst mal auf den Dachboden verstauen. Die Hunde liegen bei der Wärme ohnehin nicht darauf.
Ich trage Merlin jeden Morgen erst mal nach draußen in den Garten. Nur setze ich ihn jetzt etwas weiter weg auf den Rasen, weil der vorne schon große Flecke bekommen hat. Heute morgen war ihm der nasse Rasen dann doch wohl unangenehm. Er stand da, wie immer mit schräg gelegtem Kopf und sah mich unentweg an, während er sein kleines Geschäft in wie immer in erstaunlicher Länge verrichtete und dann flüchtete er. Statt weiter in den Garten zu gehen und sein weiteres Geschaft zu verrichten, rannte er zurück, trotz Pfeifen und Rufen auch die Treppe hoch (kann er, wie alles Verbotene, prima). Natürlich kann man das nicht durchgehen lasssen. Also habe ich ihn in der Küche vor dem Frühstückstisch eingefangen und wieder auf den Arm genommen und ihn herausgetragen, diesmal aber die 50 Meter bis tief in den Garten. Dort ist kein Plattenweg und zurück mußte er notgedrungen durch das nasse Gras, dachte ich. Drei Bocksprünge brachten ihn in den erdigen Nutzgarten und mit festem Blick auf mich hockte er sich mit dreimal Drehen hin und erledigte sein großes Geschäft an ansich verbotener Stelle. Ich hatte das sichere Gefühl, wenn er sprechen könnte, hätte er gesagt: so, das hast du jetzt davon. Also habe ihn einfach übersehen, ihn mißachtet, bin zurück, er dicht hinter mir und an der Treppe das übliche " Steh". Ich nahm den freundlichen, jetzt so gehorsamen Hund auf den Arm und trug ihn hoch. Natürlich habe ich ihn gelobt, auch wenn mir nicht danach war. Dafür war er dann auch beim morgendlichen Fresssenverteilen ganz still und lieb. Seit gut drei Tagen kreischt er nicht mehr unbeherrscht herum, daß Lena zuerst ihre Gießkanne mit Futter im Wohnzimmer bekommt. (Sie tritt dort auf den Henkel und trotz der beiden Tennisbälle im Inneren der kleinen Gießkann fällt das Futter heraus und wird freudestahlend seit 10 Jahren verspeist.) Während dieser täglichen Prozedur durfte sich auch Tim nicht nähern und Merlin mußte in der Küche bleiben. Das quittierte er mit einem hellen, nervenden Bellkonzert. Wenn er Arme und Beine gehabt hätte, hätte er sich zusätzlich noch auf den Boden geworfen und mit den Fäusten darauf herumgetrommelt. Wie gesagt, das hat er aufgegeben. Als wir beide heute morgen zur Arbeit sind, lagen beiden Hunde im unteren Voraum der Diele, Merlin pennte, kein Wunder bei den nächtlichen Exkursionen.